WMOC aus der Sicht eines Rookies

Mitte August 2016 in Estland. Die Altstadt Tallinn´s ist geprägt von bunten OL-Shirts aus aller Welt. Grund dafür ist die Senioren-WM mit mehr als 3000 Teilnehmern, die hier heuer stattfindet.


Die olympiareife Eröffnung wird in den Song-Festival-Grounds ausgetragen. Mitten in der kleinen Abordnung Österreichs gehe auch ich mit und wir spazieren Fahne schwenkend ins Stadion, wo wir lernen, dass Esten gerne singen und fast endlos tanzen können …


Tags darauf findet im wunderschönen Kadriorg-Park die Sprint-Qualifikation statt. Faszinierend finde ich, dass während des sechs minütigen Startprozederes kein Wort gesprochen wird, man könnte eine Stecknadel fallen hören. Meine aufkommende Nervosität ist unbegründet, denn der Kurs entpuppt sich als technisch leider völlig anspruchslos und als bekannt gute Läuferin finde ich mich daher am nächsten Tag im B-Finale wieder.


Dieses wird in der mittelalterlichen, kopfsteingepflasterten Altstadt ausgetragen und ist technisch fordernder und interessanter als die Quali am Vortag. Nach einem fast fehlerfreien Lauf bin ich mit dem Sprint wieder versöhnt.

Zieleinlauf des Sprintfinales

Auf der danach folgenden Langdistanz erlebe ich meine persönlichen OL-Armageddons. Sowohl die beiden Qualiläufe in Körvemaa, als auch das Finale in Pikasaare sind etwas zu schwer für mich. Im fein kupierten Gelände, das zu allem Überfluss noch schwer belaufbar ist und unbekannte Dinge wie Moore und Sümpfe bereithält, wird jeder Posten zum Kampf. Eigenartige Assoziationen entstehen in meinem Kopf – ich denke an Bruce Chatwin und sein Buch „What am I doing here“ und mehr als ein Mal überlege ich die Aufgabe des Laufs.

„What am I doing here?“

Am Rande eines Sumpfes, in dem ich bis zu den Knien im Morast versinke steht dann ein Fotograf und macht süffisant grinsend Aufnahmen … hier entstehen legendäre Bilder von bäuchlings im Sumpf robbenden Sportlern. Nach den Läufen ist vor allem mein Kopf eigenartig müde und leer, aber immerhin schaffe ich es, alle Bewerbe zu finishen. Mit nach Hause nehme ich viele neue OL-Erfahrungen in „skandinavischem“ Terrain und nette Kontakte zu Sportskollegen aus aller Welt.

Gelände in Pikasaare

Überhaupt war die WM sehr gut und freundlich organisiert. Die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel war während der Veranstaltung gratis und so konnten Tallinn und Umgebung problemlos erkundet werden. Für mich am beeindruckendsten waren die vielen topfitten Senioren, allen voran Astrid Andersson aus Schweden, frischgebackene Doppelweltmeisterin in der W95 (!), die im Zielbereich mit einem riesigen Rucksack am Rücken im Paradeschritt an mir vorbeiflitzt...

http://wmoc2016.ee/

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